XML-Know How

Vorwort

Als ich 1996 – ein Jahr nach Abschluss meines Studiums an der Hochschule der Medien (damals »Fachhochschule für Druck«) – an meine Ausbildungsstätte zurückkehrte, um das Fach »elektronisches Publizieren« zu unterrichten, war die Zukunft der elektronischen Medien mehr als ungewiss. Die Medienbranche steuerte gerade auf die erste »Internetblase« zu, in der zahllose Startups wieder vom Markt verschwinden sollten. Und wenn ein Verlag sich damals schon für medienneutrale Daten interessierte, so war der wichtigste Aspekt meist, durch den Einsatz von SGML (XML war noch nicht verabschiedet) die Satzkosten zu senken. Erste CD-ROM-Produktionen lösten gerade die Publikation auf Diskette ab, und der Vertrieb von immateriellen Publikationsformen wie E-Books (ohne die Auslieferung eines Speichermediums) kam in der Diskussion überhaupt nicht vor.

Mit dem »Rocket E-Book« wurde 1999 der erste ernstzunehmende Versuch gestartet, diesen Weg zu beschreiten – doch das Gerät war noch zu klobig, der Markt noch nicht bereit. Wir produzierten bei pagina seinerzeit zahlreiche E-Books für den Rocket E-Book Reader, ich kannte jedoch keinen einzigen Anwender, der das Produkt im Einsatz gehabt hätte. Danach sollte es noch fast 10 Jahre dauern, bis die E-Books einen zweiten, und diesmal überzeugenden Markteintritt starteten.

Währenddessen hatte sich – fast möchte man sagen: stillschweigend – bereits ein breiter Markt für elektronische Publikationen gebildet: Vor allem die Fachinformationsverlage hatten früh erkannt, dass die Durchsuchbarkeit und schnelle Recherchierbarkeit von großen Informationsmengen ein neues Marktsegment eröffnen kann. Zunächst auf CD-ROM, später online, entwickelten sich elektronische Supplemente zu den gedruckten Werken.

Und noch ein dritter Handlungsstrang ist zu verzeichnen: Mit der Entwicklung der Smartphones und Tablets waren universale Mediennutzungsgeräte entstanden, die ihre Daseinsberechtigung – neben der Möglichkeit, immer und überall online zu gehen – vor allem aus der Verfügbarkeit »kleiner Helferlein« (den sogenannten Apps) heraus erhielten.

Von den knapp 20 Jahren, in denen ich mich nun systematisch mit dem Einsatz medienneutraler Daten in der Verlagsbranche beschäftige, Verlage berate und crossmediale Workflows entwickele, waren keine so spannend, ereignisreich – und gleichzeitig auch so stark von Schwierigkeiten für die Branche gekennzeichnet wie die letzten. Die Technologien und die Märkte sind gleichermaßen etabliert, und für die meisten Verlage ist es nur noch eine Frage nach dem »wie« und dem »wann«, nicht mehr nach dem »ob«, wenn es um die Publikation elektronischer Medien geht.

In dieser Situation ist die Idee entstanden, das vorliegende Buch zu schreiben. Es hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit, noch konnte ich alle Erfahrungen darin verarbeiten – zu bunt und heterogen ist unsere Branche, als dass sich alles auf wenige mögliche Handlungsstränge herunterbrechen lassen würde. Doch ich habe versucht, einen Überblick und Einstieg in die wichtigsten Technologien zu geben und diese auf die Anwendbarkeit und den Einsatz in der Verlagsbranche hin zu beschreiben. Besonders am Herzen liegt mir allerdings der dritte große Teil dieses Buches, in dem ich verschiedene Workflow-Strategien gegeneinander abgrenze. Ich hoffe, dass vor allem dieser Teil, in den viele systematische Überlegungen und Erfahrungen eingeflossen sind, den Lesern dieses Buches bei der Entscheidung, den Weg zu einem crossmedial publizierenden Verlag zu beschreiten, hilfreich sein wird.

Ein Buch schreibt sich leider nicht ganz von alleine, und so gibt es auch Menschen, denen ich in den letzten Monaten zu wenig Zeit widmen konnte. Ich möchte mich daher ganz herzlich bei meiner Frau Sabine sowie meinen Kindern Leon, Johanna und Sophia bedanken, dafür dass sie mit so viel Verständnis und Geduld die Zeit des Schreibens begleitet haben. Meine Eltern – bis heute selbst in der Datenstrukturierung und -verarbeitung zuhause wie kaum jemand – sowie meiner Kollegin Natalie Ruegenberg möchte ich für die Lektoratsarbeit danken, die dem Buch sehr zugute gekommen ist.

Meine Vorlesungsunterlagen musste ich bisher jedes Jahr umarbeiten, da sich die Branche im stetigen Wandel befindet – und so gehe ich davon aus, dass auch die Inhalte dieses Buches bald schon zahlreicher Ergänzungen und Verbesserungen bedürfen. Ich freue mich über jede Zuschrift, Anregung und Anmerkung und hoffe, diese in einer künftigen Auflage mit einfließen lassen zu können.