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Warum crossmedial Publizieren?

Die Verlagslandschaft
ist heterogen

Vielleicht irritiert Sie diese Frage – vielleicht langweilt Sie sie auch. Ist die Frage nach dem »Warum« nicht in den letzten zehn Jahren schon hinreichend oft besprochen worden? Dennoch möchte ich Ihnen dieses Kapitel ans Herz legen. Zunächst deshalb, weil sich die Antwort auf diese Frage in den letzten Jahren immer wieder verändert hat. Vor allem aber wollen wir uns an einer Differenzierung der Antwort versuchen. Die Verlagslandschaft ist außerordentlich heterogen – was einem Fachbuchverlag nützt, kann für einen Kinderbuchverlag völlig falsch sein. Was ein großes Verlagsunternehmen benötigt, lässt sich nicht immer auf kleinere Verlagshäuser übertragen. Es gibt Bereiche unserer Branche, die ohne E-Books, online-Angebote und Content-Syndication (dem B2B-Austausch von Inhalten mit Partnern) nicht mehr überlebensfähig wären – und solche, bei denen fraglich ist, ob die Zeit schon reif ist für eine elektronische Vermarktung ihrer Inhalte.

Die Diskussion der Vergangenheit war stark bestimmt von Fragen der Technologie, der Akzeptanz am Markt und rechtlicher Aspekte: sehr grundsätzliche Fragen, deren ausstehende Beantwortung viele Verlage davon abgehalten haben, früh in den Markt elektronischer Medien einzutreten. Allen Detailproblemen zum Trotz können wir heute diese Fragen als zumindest vorläufig geklärt betrachten – mit Ausnahme vielleicht der Tatsache, dass die Rechte-Situation (also die Frage, ob der Verlag das Recht zur Veröffentlichung im elektronischen Medium an den einzelnen Texten und Bildern besitzt) in vielen Fällen immer noch unklar ist.

Etablierte Technologien

Hinsichtlich der Technologie haben sich die HTML-basierten Formate (online-Angebote, EPUB, Mobipocket sowie Web-Apps) und die »nativen«, also frei programmierten Apps durchgesetzt. Für die »schnelle und einfache« elektronische Publikation ist nach wie vor das PDF-Format verbreitet.

Auch die grundsätzliche Akzeptanz elektronischer Bücher am Markt stellt heute niemand mehr in Frage – im Gegenteil, die Verlage sehen sich geradezu gedrängt, ihre Titel auch in elektronischer Form anzubieten. Neue Verlagsverträge sehen von vorneherein die Verwertung der Inhalte auch in elektronischer Form vor.

Die Diskussion hat sich also verändert – von der Frage nach dem »ob« hin zu einer Frage nach dem »wie«. Die Verlage haben sich den neuen Produkten geöffnet, viele haben bereits Erfahrungen mit E-Books gesammelt. Die Kinderkrankheiten bei den Lesegeräten und im Vertrieb sind ausgeräumt – nun gilt es, die internen Abläufe im Verlag so umzugestalten, dass gedrucktes und elektronisches Produkt gleichberechtigt, effizient und qualitativ hochwertig entstehen können: Die Workflows rücken in den Mittelpunkt des Interesses.

Neue Berufsbilder

Doch noch wird die »neue Art zu Publizieren« bei weitem nicht in allen Verlagen gelebt. Die Sorge vor hohen Initialkosten bei geringem RoI – dem »Return on Investment« – in Kombination mit der häufig noch fehlenden Qualifikation der Mitarbeiter führt zu einem Innovationsstau, der dringend behoben werden muss, soll die Verlagsbranche ihre wichtige Rolle in der modernen Medienlandschaft nicht einbüßen. In einem Verlag muss das Expertenwissen für die Konzeption und Produktion von E-Medien ebenso vorhanden sein wie für Printprodukte. Neue Berufsbilder entstehen – der »CrossMedia-Hersteller« oder der »Content Manager« sind aus einem modernen Verlag kaum mehr wegzudenken. Egal ob Lektorat, Herstellung, Vertrieb oder Marketing: In aktuellen Stellenanzeigen werden entsprechende Qualifikationen erwartet.

Dieses Buch soll dazu beitragen, noch bestehende Vorbehalte aufzulösen und einer proaktiven Zuwendung zu den neuen Medienformen den Weg zu ebnen – ohne die bestehenden Produkte aus den Augen zu verlieren. Dabei wird sowohl die Technik (Teil II) beschrieben als auch die zugrunde liegenden konzeptionellen Fragen und der sich daraus ergebende Workflow behandelt (Teil III).

Verwendete Marginalien

Zur besseren Übersicht werden im Buch unterschiedliche Symbole als Marginalien verwendet. Diese haben die folgenden Bedeutungen:

Tipp
Hier werden praktische Tipps für den Verlagsalltag, aber auch Warnungen gegeben.
Merke
Hier sind die zentralen Kernaussagen zusammengefasst.
Info
Hintergrundinformationen und Erläuterungen von Randthemen finden Sie unter diesem Punkt.
Beispiel
Die in diesem Werk zahlreichen Code-Beispiele sind mit diesem Symbol gekennzeichnet.
Wichtig
Hier finden Sie Warnhinweise und Punkte, die dringend zu beachten sind.