XML-Know How

Grenzen der Formatierung im EPUB

Das EPUB-Format hat eine große Lücke im elektronischen Publizieren geschlossen, indem es einen einfachen und offenen Standard für flexible Layouts (»reflowable Text«) bietet. Für eine ganze Reihe von Verlagsproduktionen ist damit ein ideales Format geschaffen. Insbesondere für Werke, die vor allem aus Fließtext und strukturierenden Elementen bestehen (Belletristik, Sachbücher, z. T. Fachpublikationen), ist das EPUB-Format ideal.

Anders sieht es mit der Umsetzung von Büchern aus, bei denen die feste Anordnung von Elementen auf der (Doppel-)Seite wichtig für das Verständnis ist bzw. wo eine andere Anordnung gar sinnentstellend sein könnte – wissenschaftliche Werke mit hohem Bildanteil, komplexe Tabellenwerke, Formelsatz, Bilderbücher, Schulbücher und viele Ratgeber sind für die Publikation als »reflowable Text« eher ungeeignet. Auch Werke mit umfangreichen Marginalien, Fußnoten etc. sind aufgrund der häufig zu geringen Bildschirmbreite nur mühsam auf einem E-Book-Reader zu lesen. Wenn diese Inhalte dennoch als E-Book publiziert werden sollen, bietet sich weiterhin das PDF-Format an – vor allem dann, wenn die Inhalte und die Gestaltung eines Buches 1 : 1 ins E-Book übernommen werden sollen.

Fixed Layout E-Books

Als relativ neue, aber noch nicht weit verbreitete Möglichkeit gibt es darüber hinaus noch das sogenannte »Fixed Layout E-Book«. Hierbei handelt es sich auch um ein EPUB-Format, bei dem allerdings die einzelnen Elemente der Seiten mit CSS-Befehlen fest an eine bestimmte Position gezwungen werden, das Neu-Umbrechen also quasi künstlich verboten wird.

Fixed Layout-Titel lassen sich von ihrem konzeptionellen Ansatz her nicht als XML-first-Produktion erstellen; schließlich werden sie in der Regel aus dem Layout von Druckseiten abgeleitet. In Handarbeit sind Fixed Layout-Titel extrem aufwändig herzustellen, was diese Produktionen anfangs sehr kostenintensiv gemacht hatte. Derzeit etablieren sich erste Anbieter und Technologien am Markt, die eine (teil)automatische Produktion solcher Titel ermöglichen. Damit werden Fixed Layout-E-Books gegenüber dem PDF-Format interessant (das ja auch als umbruchidentisches E-Book zum Einsatz kommt), vor allem in dem Moment, wo Interaktions-Möglichkeiten (Einbinden von Video- und Tondokumenten, Hyperlinks, Animationen etc.) in das E-Book eingebracht werden sollen. Hier kommt das PDF- Format konzeptionell und technisch an seine Grenzen.

EPUB3

Diese Möglichkeiten sind in dem jüngsten EPUB-Standard EPUB3 bereits enthalten. EPUB3 ist eine Weiterentwicklung des bestehenden EPUB-Standards mit dem Ziel, mehr Interaktivität, Dynamik und Multimedialität in den Standard aufzunehmen. EPUB3 ist seit 2011 als eigener Standard verabschiedet, konnte sich aber (da keine Lesegeräte am Markt waren, die das Format unterstützten) lange nicht durchsetzen. Mit den neuen, leistungsfähigen Tablet-PCs wird sich das in naher Zukunft ändern.