XML-Know How

Der Anspruch eines Verlages an seine Daten

Es ist die Kernaufgabe eines Verlages, die Inhalte, für die er die Rechte zur Vervielfältigung und Verbreitung hat, einem möglichst großen Nutzerkreis zugänglich zu machen. Das schließt die Verwertung der Inhalte in elektronischer Form mit ein. Deshalb sichert sich der Verlag in der Regel alle Rechte auch für die digitalen Medien.

Single Source Publishing

Aus Effizienzgründen bietet es sich an, für alle Medienformen denselben Datenbestand zu nutzen. Diese Forderung steckt hinter dem Begriff »Medienneutrale Daten«. Die daraus resultierende Arbeitsweise nennt man »Single Source Publishing«, frei übersetzt »das Publizieren aus einer (Daten-)Quelle«. Diese Arbeitsweise wird von immer mehr Verlagen strategisch vorgegeben. Für den Hersteller/Produktioner folgert daraus die konkrete Aufgabe: Wie schaffe ich es, die Daten mehrfach zu verwenden?

Multi Channel Publishing

Die Mehrfachnutzung von Daten, insbesondere ihre Publikation in unterschiedlichen Medien (Cross Media Publishing, Multi Channel Publishing) setzt voraus, dass die Inhalte in einer Form vorliegen, die von der jeweils notwendigen Verarbeitungssoftware gleich gut verarbeitet werden kann.

Hat der Verlag die Mittel investiert, um den Inhalt in einen entsprechend strukturierten Datenbestand zu überführen (was idealerweise vor Beginn der Satzarbeiten geschieht), so ist jede Aktualisierung und jede Folgepublikation, die aus diesem Datenmaterial automatisiert erzeugt werden kann, nur noch mit geringen Kosten verbunden. Kann der Datenbestand nun nicht nur für Print-, sondern auch für elektronische Publikationen als Quelle dienen, so hat der Verlag die Voraussetzungen für das Cross Media Publishing erfüllt. Er kann die Inhalte in den unterschiedlichsten Medien zielgruppengerecht, schnell und kostengünstig publizieren.

Abb. 22 Die Theorie des Cross Media Publishings: Aus einem medienneutral strukturierten Datenbestand können die unterschiedlichsten Publikationen erstellt werden. Es findet somit keine mehrfache Datenhaltung und -pflege mehr statt. Die Korrekturen werden nicht mehr medienbezogen, sondern im medienneutralen Datenbestand ausgeführt und stehen damit sofort allen Ausgabeformen zur Verfügung

Merke:
Das Ziel beim Einsatz medienneutraler Daten lautet:

Die in einer einzigen Quelle vorliegenden Inhalte sollen mehrfach genutzt und in unterschiedlicher Zusammenstellung über verschiedenste Kanäle zum Kunden gebracht werden können.

Dies bezieht sich nicht nur auf die elektronischen Medien wie E-Books, Apps, online-Angebote oder CD-ROMs, sondern ebenso auf die Zweitverwertung im Printbereich: Aus dem gleichen Datenbestand sollen die Hardcoverausgabe, die Taschenbuchausgabe, Sammelbände oder Studienausgaben hergestellt werden.

Zweitverwertung heißt dabei nicht, dass die Inhalte zwingend unverändert übernommen werden oder dass es sich um eine 1 : 1-Umsetzung eines Buches handelt. Eine mediengerechte Aufbereitung der Inhalte (des »Contents«) erfordert selbstverständlich eine Anpassung der Daten an die Möglichkeiten des jeweiligen Mediums: Inhalte sollen elektronisch durchsuchbar sein, Verweise als Hyperlinks funktionieren, Grafiken evtl. in Klein- und Großversion verfügbar sein, Anmerkungen in Form von Popups (kleine eigene Bildschirmfenster) dargestellt werden. Ein gedrucktes Register, und mag es noch so aufwändig erstellt sein, wird im elektronischen Medium (mangels Seitenzahlen) ohne Anpassung nicht funktionieren.