XML-Know How

XML in der Verlagspraxis

Verlagsprojekte und XML

Bei allen offenkundigen Vorteilen ist dennoch der Einsatz von XML nicht für jedes Verlagsprojekt gleichermaßen sinnvoll. Ein einzelnes Buch zu erstellen ist mittels XML weder schneller noch günstiger – viele ähnliche Bücher hingegen schon. Es bedarf also bestimmter Rahmenparameter, um den Aufwand zu rechtfertigen, den die Umstellung der Produktion, gegebenenfalls sogar der gesamten Verlagsarbeit, mit sich bringt.

Wichtig

Fünf Haupt-Gesichtspunkte sprechen dabei für die Arbeit in medienneutralen Strukturen:

  • Die Mehrfachverwertung des Datenbestandes (ggf. auch nur in Druckprodukten) ist wahrscheinlich. Das alleine ist ein Grund, die mehrfache Datenpflege zu vermeiden und alle Korrekturen in einen zentralen, automatisch weiterverwertbaren Datenbestand einzutragen.
  • Es ist eine elektronische Ausgabe des Datenbestandes geplant.
  • Sobald es um die gezielte Recherche von Inhalten geht, führt an einem semantischen Markup kein Weg vorbei.
  • Durch den Einsatz von XML lassen sich bei größeren Werken und Buchreihen Zeit und Kosten in Redaktion und Herstellung sowie im Satz sparen. Durch klare, immer wiederkehrende Abläufe lässt sich ein schlanker, überprüfbarer Workflow etablieren. Sinnvoll ist das bei allen regelmäßig aktualisierten Werken, insbesondere Loseblattwerken und Zeitschriften, aber auch bei Werken mit vielen Autoren und umfangreichen Redaktionen (Lexika, Handbücher, Wörterbücher etc.).
  • Die inhaltliche und/oder administrative Arbeit wird durch den Einsatz von XML signifikant erleichtert. Das betrifft sowohl die in XML mögliche automatische Strukturkontrolle als auch das Auswerten von Meta-Informationen für den Verlag, die automatische Register- und Querverweiserstellung und vieles mehr.

Ein Verlag, der XML im Einsatz hat, wird seine Titel immer einer Prüfung unterziehen, inwieweit sie einem oder mehreren der o. g. Kriterien entsprechen. Abhängig davon wird die Entscheidung fallen, ob der Titel konventionell oder auf Grundlage eines medienneutral ausgezeichneten Datenbestandes produziert werden soll. Häufig sind es ganz pragmatische Gründe, die gegen eine Arbeit in XML sprechen. Wird zum Beispiel die Arbeit im Satz durch den Einsatz von XML eher erschwert (etwa weil die Satzarbeiten so layoutintensiv sind, dass keine Automatisierung von Teilschritten möglich ist), wird in der Regel auf XML im Produktionsprozess verzichtet.

Im Lauf der Zeit wird somit das Verlagsprogramm oder ein entscheidender Teil davon in einer Form vorliegen, die es dem Verlag ermöglicht, als Informationsanbieter alle erforderlichen Publikationskanäle zu bedienen.

Je nachdem, ob es dem Verlag nur um die Produktion einzelner Titel in XML oder um die Umstellung der gesamten Produktion geht, wird der zu betreibende Aufwand sehr unterschiedlich sein.

Eine Umstellung der Datenhaltung auf XML ist ein aufwändiger und eigenständiger Prozess. Das gesamte Verlagsprogramm muss gesichtet werden, zukünftig geplante Produktionen und Produktformen müssen mit ihren Anforderungen – soweit diese bereits absehbar sind – in das XML-Konzept eingehen.

Ein XML-Konzept, das lediglich ein Werk oder eine Buchreihe umfassen soll, ist dagegen häufig relativ zügig zu entwickeln. Wann sich welches Vorgehen lohnt und wie weit auch ein Einzel-Projekt als Grundstock für eine verlagsweite Umstellung herangezogen werden kann, muss im Einzelnen ermittelt werden.