XML-Know How

Integration von XML in die Verlagsarbeit

Mit dem Vorhandensein von XML-Daten und deren Qualitätssicherung ist bereits ein wichtiger Schritt getan – die ersten elektronischen Produkte können entstehen. Doch noch arbeitet der Verlag konventionell, noch ist die Arbeitsweise nicht auf die neuen Medienformen hin optimiert. Ein crossmedial denkender Verlag hat allerdings höhere Ansprüche an seine Daten als nur die Abbildung der Autorendaten in neutraler Form. Viele Publikationsformen erfordern eine weitergehende Anreicherung des Datenbestandes (etwa die Hinterlegung von Geo-Koordinaten bei Tourenbeschreibungen oder animierte Reparaturanleitungen), die sich ohne Veränderung der Abläufe im Verlag selbst nicht vornehmen lassen. Denn nach der technischen Datenqualität muss sich nun der Fokus auf die Qualität der inhaltlichen Struktur richten.

Anreicherung der Daten
über den Druck hinaus

Der Qualitätsbegriff beschreibt hier explizit nicht die Aspekte, die die Arbeit des Lektorats am gedruckten Inhalt betreffen – diese Qualität ist unbestritten und darf nicht unter den neuen Workflows leiden. Vielmehr geht es um eine – ebenfalls redaktionelle, also inhaltliche – Anreicherung der Daten über die Bedürfnisse des Druckproduktes hinaus, Anreicherungen also, die ein technischer Dienstleister nicht eigenverantwortlich durchführen kann. Oft werden marktgängige elektronische Produkte erst durch die weitergehende Anreicherung der Inhalte möglich – und spätestens dann wird es Zeit, es auch dem Lektorat zu ermöglichen, direkt in den XML-Daten zu arbeiten.

Tipp

Die Einbindung der einzelnen Verlagsabteilungen in einen XML-Workflow erfolgt in aller Regel »von hinten nach vorne«, also schrittweise über die Herstellung zu den Lektoraten und Redaktionen. Im Idealfall wird schließlich sogar der Autor in die Workflows mit eingebunden, indem beispielsweise ein entsprechendes Content Management System zur Verfügung steht, in das der Autor seine Inhalte direkt einpflegen kann.

Die Erfassung in XML wird zumindest für externe Autoren häufig noch die Ausnahme sein, da diese nicht ohne weiteres von ihrer gewohnten Arbeitsweise – i. d. R. dem Einsatz eines Textverarbeitungsprogramms – abgebracht werden können. Anders sieht es bei der Erstellung und Bearbeitung von Texten in Fachredaktionen aus. Hier kann der Verlag durch den Einsatz geeigneter Software (XML-Editor, evtl. in Kopplung mit einem Redaktionssystem) die Arbeitsabläufe von vornherein optimieren.

In der Regel sollte ein solcher XML-Editor noch an die besonderen Erfordernisse der Bearbeiter angepasst werden. Das ist in Abhängigkeit von der Komplexität der Daten in wenigen Stunden bis Tagen erledigt. Das wichtigste ist die Erstellung eines passenden CSS-Stylesheets (vgl. Kap. 6.2) zur graphischen Umsetzung der XML-Elemente. Erst dann haben die XML-Editoren ein ähnliches »Look and Feel« wie normale Textverarbeitungsprogramme – andernfalls erfolgt die Arbeit quasi im Quellcode, was eine deutliche Erschwernis für die Bearbeiter darstellt.