XML-Know How

Vollautomatisierter Satz

XSL-FO

Eine Sonderstellung unter den Satzsystemen nimmt der Bereich »vollautomatisierter Satz« ein. Der prominenteste Vertreter dieser Gattung ist XSL-FO. XSL-FO selbst ist allerdings kein Satzsystem, sondern ein XML-basiertes Standard-Format von Satzanweisungen und Beschreibungen des Seitenaufbaus. Eine XSL-FO-Datei beschreibt also nur, was ein nachgelagertes »Satzsystem« tun soll. Es gibt mehrere solcher Systeme, die den XSL-FO-Standard unterstützen und umsetzen. Sie zeichnen sich alle dadurch aus, dass kein interaktiver Eingriff in den Umbruch-Prozess möglich ist (außer, die Eingangs-Daten zu modifizieren). Sie werden daher auch nicht Satzsystem, sondern FO-Prozessor genannt. XSL-FO ist ein W3C-Standard (siehe Kap. 7.1.1).

XSL-FO spielt innerhalb der Verlagsbranche im professionellen Satz bislang eine eher untergeordnete Rolle. Dies liegt allerdings nicht daran (wie häufig vermutet wird), dass das mit dieser Technologie zu erreichende Satzbild nicht professionellen Ansprüchen genügen könnte. Es müssen vielmehr einige Rahmenbedingungen zusammenkommen, dass sich ein XSL-FO-Einsatz lohnt und praktisch durchführbar ist.

Zunächst: Die Daten müssen vor Beginn der Satzarbeiten auskorrigiert sein – oder zumindest publikationsreif in XML vorliegen. Nur dann ist ein vollautomatischer Satzprozess sinnvoll und möglich. Jede Korrektur, jeder manuelle Eingriff muss in den Quelldaten vorgenommen werden.

Zweitens: Der Aufwand, XSL-FO einzusetzen, lohnt sich nur bei streng wiederkehrender Typographie, die vorhersehbar keine manuellen Eingriffe erfordert. Auch wenn Buchreihen, Zeitschriften etc. einer einheitlichen Typographie folgen, so gilt dies selten zu 100% – die Entscheidung fällt dann eher für ein Werksatzsystem, das ebenfalls regelbasiert arbeitet, aber Handeingriffe zulässt.

Seine Stärken spielt XSL-FO genau dann aus, wenn überhaupt kein Handeingriff gewünscht – oder möglich – ist. Das ist zum Beispiel beim automatischen Generieren von PDF-Seiten im Internet der Fall. Ob Fahrkarten, Buchungsbestätigungen oder Rechnungen: Immer dann, wenn ein individualisiertes PDF online erzeugt werden muss (z. B. weil der Name des Bestellers, die Fahrtzeiten, der Hotelname o. ä. im PDF enthalten ist), werden solche Systeme eingesetzt. Nach einem strengen, einmal erstellten Gestaltungsraster werden z.T. etliche tausend PDFs pro Tag generiert. Auch für die Brief-Aussendungen großer Versicherer (bei denen z. B. nicht nur der Name eingedruckt werden muss, sondern sämtliche Angaben aus dem jeweiligen Versicherungsvertrag aufgenommen werden müssen) und vieler anderer Unternehmen findet XSL-FO als zuverlässige Technologie ihren Einsatz, um aus Datenbanken individualisierte Anschreiben in Millionenhöhe zu erstellen.

Aber auch in Verlagen finden sich zunehmend XSL-FO-Prozesse wieder. Nicht so sehr als Ersatz für den klassischen Werksatz, wohl aber als »Preview«-Ausdruck von XML-Daten jeglicher Form. Wo immer XML-Daten in großer Menge vorhanden sind, bietet es sich an, diese auch im PDF zu visualisieren (als Kontroll- oder Korrekturausdruck), ohne dafür überhaupt noch eine Setzerei zu benötigen.