XML-Know How

Werksatzsysteme

Regelbasierter Umbruch

Was ein Werksatzsystem genau zu einem solchen macht, lässt sich wohl am besten in der Abgrenzung zu den Layoutsystemen erklären: Wo diese ihre Schwächen haben, haben die Werksatzsysteme ihre Stärken – und umgekehrt. Ein Werksatzsystem (prominente Vertreter sind z. B. APP (ehemals 3B2) und Miles Oasys) kommt immer dann zum Einsatz, wenn hohe Textvolumina zu bewältigen sind und/oder ein hoher Automationsgrad der Satzarbeiten gewünscht ist. Klassische Einsatzbereiche sind Fachinformationen, Wissenschaft, Loseblattproduktion, lexikalische Werke, Wörterbücher und Belletristik. Ein Werksatzsystem verfolgt nicht den Ansatz des interaktiven Arbeitens im Umbruch (wysiwyg, s. o.), sondern der regelbasierten Verarbeitung vorstrukturierter Texte.

Das regelbasierte Arbeiten führt zu hohen Verarbeitungsgeschwindigkeiten. Umbruchleistungen von mehreren 100.000 Seiten pro Minute sind möglich. Diese Zahl alleine jedoch hat keine hohe Aussagekraft, stehen im Vorfeld der eigentlichen Satzproduktion doch häufig Tage – oder auch Wochen – an Zeiten für die Satzeinrichtung, um diesen hohen Automationsgrad zu erzielen. Entsprechend lohnt sich der Einsatz vor allem immer dann, wenn es sich um wiederkehrende Arbeiten handelt. Damit ist diese Kategorie von Satzsoftware prädestiniert für den Einsatz in XML-Workflows: hier wird die stets gleiche, geprüfte Datenstruktur verarbeitet.

Werksatzsysteme erleben deshalb in bestimmten Bereichen der Branche eine regelrechte Renaissance, da sie i. d. R. voll Roundtripping-fähig sind. Dieselbe Datenstruktur, die in das System geladen wird, steht also auch nach Abschluss der Satzarbeiten wieder zur Verfügung. Während bei den Layoutsatzsystemen eine Konvertierung in ein proprietäres Datenformat stattfindet und eine eindeutige Rückführung der importierten Strukturen nicht garantiert werden kann, findet bei Werksatzsystemen keine Eingangs-Konvertierung statt. XML-Daten können meist ohne Zwischenschritt verarbeitet und am Ende der Arbeiten wieder exportiert werden. Für integrierte XML-Workflows ist dies eine wichtige Forderung, um ohne erneute Konvertierungsschritte mit den auskorrigierten (Satz-)Daten weiterarbeiten zu können.