XML-Know How

Stolperstein 2:
Die Daten werden erst im Satzprozess auskorrigiert

Alle unsere Überlegungen im Zusammenhang mit dem »Single Source-Publishing« sind von der Annahme ausgegangen, dass es im Verlag bereits XML-Daten gibt, die veröffentlichungsreif vorliegen. Damit die Daten veröffentlicht werden können, müssen sie selbstverständlich zunächst einen redaktionellen Korrekturzyklus durchlaufen haben. Und genau hier steckt für viele Verlage ein konzeptioneller Widerspruch: Dieser Korrekturzyklus findet nämlich in aller Regel erst während der Satzarbeiten statt!

Was früher zu Bleisatzzeiten gar nicht anders möglich war, hat sich bis in die modernen Verlagsabläufe gehalten und wird selten hinterfragt. Schließlich ist das Printprodukt immer noch das primäre Produkt der Verlage, die anderen Produkte sollen daraus abgeleitet werden. Das ist ein konzeptioneller Fehler. In einem contentzentriert arbeitenden Verlag sollte das Buch lediglich eines (wenn auch das wichtigste) von mehreren gleichberechtigt extistierenden Produktformen sein und aus demselben Datenbestand erstellt werden können.

Der Weg dahin ist weit und er funktioniert wohl nur, wenn es einen standardisierten Korrekturzyklus geben kann, der entweder am Bildschirm (direkt in den XML-Daten, was aber kein effizientes Korrekturlesen erlaubt) oder anhand eines standardisierten Kontrollausdrucks (z. B. auf der Grundlage von XSL-FO) erfolgt. Viele Verlage lehnen dies kategorisch ab, da es einen zu großen Paradigmenwechsel bedeuten würde, nicht mehr dem Produkt (Buch), sondern dem abstrakten Content die redaktionelle Aufmerksamkeit zu widmen. Um dennoch die Satzarbeiten in die XML-Prozesskette zu integrieren, bedarf es des sogenannten »Roundtrippings«. Hiermit wird die Fähigkeit eines Satzsystems bezeichnet, XML-Daten nicht nur zu importieren, sondern nach Abschluss der Satz- und Korrekturarbeiten in derselben bzw. einer korrigierten Fassung auch wieder zu exportieren. Werksatzsysteme beherrschen das Roundtripping in der Regel sehr gut – die Layoutsysteme wie z. B. InDesign oder QuarkXPress haben hier hingegen große Schwächen. Verlage, die ein layoutlastiges Programm haben oder sich aus anderen Gründen (Bedienkomfort, breiteres Dienstleisterspektrum) für die Satzproduktion in einem Layoutsystem entschieden haben, müssen sich dieses Problems bewusst sein.

Durch geeignetes Skripting ist es möglich, auch mit Programmen wie InDesign in gewissem Rahmen ein zuverlässiges Roundtripping zu erreichen. Die Zuverlässigkeit und Stabilität von Werksatzsystemen werden diese Programme hinsichtlich der XML-Datenstruktur aber wohl kaum je erreichen.