XML-Know How

Stolperstein 4:
Nicht jedes Satzsystem beherrscht XML

Wir haben es schon mehrfach angesprochen: Ein Satzsystem ist – genau wie ein Browser – eigentlich ein Ausgabesystem. Es hat den Zweck, unformatierte Quelldaten in ein druckfähiges PDF-Dokument zu überführen. Natürlich können in einem Satzsystem Korrekturen ausgeführt werden – gleichwohl ist es aber kein Editor, schon gar kein XML-Editor. Genau als solcher muss es aber fungieren, wenn die Korrekturen erst im Satz ausgeführt werden und die Daten anschließend wieder in das XML-System des Verlages zurückgespeichert werden sollen. Doch auch abgesehen von dieser fehlenden Eignung der Satzsysteme – sie sind dafür ja nie entwickelt worden – gibt es leider bei vielen Systemen noch weitere Mängel in der XML-Verarbeitung. Exemplarisch seien hier die beiden größten Schwächen in der XML-Verarbeitung beim Marktführer der Layoutsysteme, InDesign, aufgeführt.

InDesign liest eine XML-Datei nur als »flachen Datenstrom« ein, kann also die Abhängigkeiten, die sich aus der Baumstruktur ergeben, nicht auswerten, um sie auf eigene Stilvorlagen abzubilden. Es gibt lediglich die Möglichkeit, den einzelnen Tags Formate zuzuweisen, nicht aber (wie es z. B. in CSS möglich ist oder wie wir es in XSLT mit den Möglichkeiten von XPath gesehen haben) die Formate abhängig von der Position des Elements im XML-Baum zuzuweisen.

Durch Skripting können diese Schwächen zumindest teilweise umgangen werden, so dass bis zu einem gewissen Komplexitätsgrad der Titel ein Roundtripping möglich ist.