XML-Know How

Fazit

Die neuen E-Book-Formate EPUB 3 und KF 8 haben die Möglichkeiten, aber auch die Einschränkungen ihrer zugrundeliegenden Technologien geerbt. Wie die Untersuchung in Kapitel 4 aufgezeigt hat, sind bei den dynamisch umbrechenden Formaten vor allem im Bereich der Seitenformatierung schnell die Grenzen der Gestaltungsmöglichkeiten erreicht. Ist man sich dieser medienimmanenten Grenzen bewusst, lassen sich ansprechende und typografisch hochwertige E-Books produzieren.

Amazons proprietäres Kindle Format 8 stellt im Vergleich zu EPUB keinen offen dokumentierten und technisch zugänglichen Standard dar – durch die gemeinsame XML-Datengrundlage der Quellstrukturen und die Ähnlichkeit im technischen Aufbau sind die beiden E-Book-Dateiformate jedoch sehr gut für eine parallele Generierung aus einem automatisierten Produktionsworkflow geeignet. Vorausgesetzt ist eine medienneutrale und strukturierte Datenhaltung der Inhalte, die spätestens durch den aktuellen Durchbruch der E-Books zu einer entscheidenden Anforderung für die Buchverlage geworden ist. Diese müssen sich in Zukunft als Inhaltsanbieter auf allen Plattformen verstehen.

Durch die neue Generation der E-Book-Standards werden Funktionen und Möglichkeiten zur Verfügung gestellt, die erst mit einer vollwertigen und zuverlässigen Unterstützung durch die Lesegeräte und -anwendungen auf dem digitalen Buchmarkt ankommen werden. In Bezug auf EPUB 3 bleibt abzuwarten, wie schnell die Hersteller auf die Anforderungen des neuen Standards reagieren. Insbesondere die CSS-Unterstützung der jeweiligen Endgeräte wird durch die unverbindliche Spezifikation unterschiedlich ausfallen. Für Entwickler bleibt auf eine detaillierte Dokumentation der Implementierungen durch die Hersteller zu hoffen. Um E-Books entsprechend des Progressive Enhancement-Ansatzes vorzubereiten, können jedoch schon jetzt CSS 3-Eigenschaften in allgemeiner Notation und mit den Engine-Präfixen (moz, webkit und o) in EPUB 3 eingesetzt werden.

Auch wenn sich inhaltliche Anreicherungen aufgrund uneinheitlicher Implementierungen durch die Ausgabesysteme bislang nicht durchgesetzt haben, werden elektronische Publikationen durch Funktionen, die die Vorteile des digitalen Mediums voll ausnutzen, perspektivisch den Bezug auf eine gedruckte Vorlage verlieren und sich zu einem eigenen, unabhängigen Ausgabekanal für Verlagsinhalte entwickeln. Hier bietet EPUB 3 ein deutlich höheres Potential.