XML-Know How

Vergleich der Formate

Durch die Nutzung der neuen Formate lassen sich ansprechende und anspruchsvolle elektronische Publikationen umsetzen. Der Wert, der in der Buchproduktion auf eine hochwertige und wirksame Typografie gelegt wird, kann auch bei einem Medienwechsel weiterbestehen.

Auch wenn E-Books konzeptionell unabhängig bedacht werden, so bilden sie in der Regel doch die selben Inhalte ab, die auch in Buchform veröffentlicht werden. Entsprechend werden hier auch alle Aspekte behandelt, die in der Buchtypografie zum Tragen kommen. Der Schwerpunkt dieses Kapitels liegt auf dem Vergleich der neuen E-Book-Formate hinsichtlich der Umsetzbarkeit von Layoutstrukturen. Diese Themenstellung setzt die konzeptionelle Nähe des digitalen E-Books zum klassischen Buch voraus.

Das Rendering der E-Book-Inhalte erfolgt auf dem Lesegerät oder der Darstellungssoftware und lässt sich je nach System durch den Leser anpassen. Dass die Darstellung zum Teil dem Leser überlassen wird ist eine Neuheit des digitalen Formats, die ein E-Book deutlich vom klassischen Buch unterscheidet. Ein dynamisch anpassender Umbruch steht dem Seitenkonzept des gedruckten Buches gegenüber. Bei vielen Lesegeräten wird ungeachtet der Tatsache, dass es sich um ein völlig anderes Medium handelt, jedoch genau diese klassische Lesegewohnheit adaptiert. Ein Beispiel hierfür ist der „Blätter“-Effekt der iBooks-Anwendung, der das Umschlagen der Buchseite nachahmt. Trotz des Medienwechsels und der dadurch bedingten konzeptionellen und technologischen Neuheiten ist also eine Print-Orientierung, die an den wesentlichen Merkmalen des gedruckten Buchs festhält, bei der Produktion und Darstellung von E-Books deutlich.

Was auf dem Papier funktioniert, lässt sich nicht unmittelbar auf digitale Bücher übertragen. In diesem Kapitel soll die Umsetzung bewährter Seitenbestandteile und Layoutelemente von gedruckten Büchern mit den neuen digitalen Formaten, die in den Kapiteln 2 und 3 ausführlich behandelt wurden, beschrieben und verglichen werden. Willberg und Forssmann unterscheiden systematisch zwischen Makro- und Mikrotypografie.11 Die Makrotypografie umfasst die Gesamtgestaltung und die Anordnung einer Seite. Mit dem Begriff Mikrotypografie wird die Schriftgestaltung und -anwendung auf Zeilenebene zusammengefasst.

Es sei darauf hingewiesen, dass der Katalog an Layoutelementen für ­E-Books keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Die gezeigten Strukturen stellen lediglich Lösungsvorschläge dar und nicht den einzigen korrekten oder allgemeingültigen Weg. Vielmehr steht der technische Vergleich ausgewählter Umsetzungen für die beiden Datenformate im Vordergrund.

Die Veröffentlichung von Lesegeräten, speziell mit Unterstützung des EPUB 3-Formats, werden entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung des E-Book-Marktes haben. Dieses Kapitel konzentriert sich jedoch auf den technischen Aufbau der Dateiformate, soweit möglich unabhängig von ­Lesegeräten oder Software-Implementierungen. Da grundsätzlich nicht ­gewährleistet ist, dass die einzelnen Lesegeräte die nachfolgend beschriebenen typografischen Strukturen einheitlich umsetzen, ist eine Prüfung der Ausgabe auf den jeweiligen Geräten vor Veröffentlichung unerlässlich.

In der EPUB-Spezifikation wird explizit darauf hingewiesen, dass Ausgabesysteme variierende technische Fähigkeiten besitzen, CSS darzustellen und das definierte CSS-Profil des EPUB-Standards nicht verpflichtend ist. Auch können Formatierungen des EPUB-spezifischen Stylesheets durch Standardeinstellungen der Geräte überschrieben werden. Gleichzeitig können auch nicht standardisierte Eigenschaften unterstützt werden. Aus diesem Grund gilt, dass die Umsetzung im Einzelnen auf unterschiedlichen Readern getestet werden muss.

Abhängig vom Typ und der Funktion der Publikation kann ein E-Book unterschiedliche Bestandteile und Kapitelstrukturen besitzen. Bei der Abgrenzung der typografischen Elemente wird in diesem Kapitel von der Seite als größte Sinneinheit ausgegangen.

Der Aufbau beginnt für jede Layout- bzw. Textstruktur zunächst mit einer einleitenden Beschreibung. Anschließend folgt die Beschreibung der Umsetzung und jeweiligen Möglichkeiten. Sind für die beiden Dateiformate abweichende Umsetzungen notwendig, wird dies durch eine entsprechende Zwischenüberschrift gekennzeichet.


11 „Lesetypografie“ (Forssman und Willberg; 2005) des Verlags Hermann Schmidt Mainz