XML-Know How

Der Weg zu XML

XML trägt der Tatsache Rechnung, dass Publikationsprojekte zu unterschiedlich sind, als dass man alle in ein Muster fassen kann. Deshalb gibt XML nicht selbst eine Struktur vor, sondern definiert lediglich die Regeln, mit denen Sie die Strukturen Ihrer Dokumente beschreiben. Für die Anwendung von XML auf konkrete Dokumente ist die Festlegung einer XML-Strukturdefinition nötig. Je nach der Art der Dokumentstruktur kann dafür eine DTD (Document Type Definition) oder eine XSD (XML Schema Definition, kurz XML Schema) verwendet werden (dazu mehr in den Beiträgen speziell zu XML).

Mittlerweile gibt es diverse XML-basierte Standards für die medienneutrale Kodierung von technischen Dokumentationen oder literarischen Texten. Und wo Ihre Werke nicht in diese notwendigerweise begrenzten Standards passen, können Sie eigene XML-Strukturen definieren und festlegen, wie Ihre Daten zu verarbeiten sind.

Es gilt also zuerst zu bestimmen, ob die Inhalte, die Sie in medienneutralen Daten vorhalten wollen, in einen vorhandenen XML-Struktur-Standard passen oder ob Sie eine eigene Strukturdefinition für ein konkretes Projekt, eine Reihe oder den ganzen Verlag benötigen. Für diese Inhaltsanalyse und die Erstellung einer verlags- oder projekteigenen Strukturdefinition ist meist die Zusammenarbeit mit externen, spezialisierten Dienstleistern notwendig.

Die Erfahrung zeigt, dass hierbei häufig auf die Besonderheiten der Verlagsbranche und den hohen Ansprüchen gerade bei der Produktion von Printwerken mangels Erfahrung zu wenig eingegangen wird. Nur wenige XML-Spezialisten kommen aus der Verlagswelt. Das liegt in der Natur der Sache, denn XML hat sich für Dokumentationen in der Industrie bereits viel weiter durchgesetzt als in der Verlagsbranche. Gerade wissenschaftliche Werke und Fachpublikationen weisen aber oft eine Komplexität auf, die über das, was in der Industrie gängig ist, weit hinausgeht. Das trifft auch auf die hochkomplizierten organisatorischen Abläufe bei wissenschaftlichen »Jahrhundertausgaben« zu.

Wenn Sie dann eine XML-Definition für Ihre Daten haben, gilt es, die Inhalte in die definierte Form zu bringen. Dafür gibt es üblicherweise drei Wege: die Erfassung in XML, den Satz in XML oder die Konvertierung von vorhandenen Satzdaten nach XML. Da die Themen Satz in XML und Konvertierung von Satzdaten nach XML sehr komplex sind, haben wir ihnen separate Beiträge gewidmet.

Die Erfassung in XML wird zumindest für externe Autoren die Ausnahme sein, da diese nicht ohne weiteres von ihrer gewohnten Arbeitsweise – i. d. R. dem Einsatz eines Textverarbeitungsprogramms – abgebracht werden können. Anders sieht es bei der Erstellung und Bearbeitung von Texten in Fachredaktionen aus. Hier kann der Verlag durch den Einsatz geeigneter Software (XML-Editor, evtl. in Kopplung mit einem Redaktionssystem) die Arbeitsabläufe von vornherein optimieren. In der Regel sollte ein solcher XML-Editor noch an die besonderen Erfordernisse der Bearbeiter angepasst werden. Das ist in Abhängigkeit von der Komplexität der Daten in wenigen Stunden bis Tagen erledigt. Dabei haben die Editoren ein ähnliches »Look & Feel« wie normale Textverarbeitungsprogramme. Übrigens kann auch MS Word in Grenzen für Bearbeitung von XML-Daten angepasst werden.