XML-Know How

Verlagsprojekte und XML

Bei allen offenkundigen Vorteilen darf nicht übersehen werden, dass der Einsatz von XML nicht für jedes Verlagsprojekt gleichermaßen sinnvoll ist. Vier Haupt-Gesichtspunkte sprechen für die Arbeit in medienneutralen Strukturen:

  • Die Mehrfachverwertung des Datenbestandes ist sehr wahrscheinlich. Das alleine
    ist ein Grund, die mehrfache Datenpflege zu vermeiden und alle
    Korrekturen in einen zentralen, automatisch weiterverwertbaren Datenbestand einzutragen.
  • Es ist eine recherchierbare, elektronische Ausgabe des Datenbestandes geplant.
    Sobald es um die gezielte Recherche von Inhalten geht, führt an einem semantischen Markup kein Weg vorbei.
  • Durch den Einsatz von XML lassen sich Zeit und Kosten in Redaktion und Herstellung sparen. Durch klare, immer wiederkehrende Abläufe lässt sich ein
    schlanker, überprüfbarer Workflow etablieren. Sinnvoll ist das bei allen regelmäßig aktualisierten Werken, insbesondere Loseblattwerken
    und Zeitschriften, aber auch bei Werken mit vielen Autoren und umfangreichen Redaktionen (Lexika, Handbücher, Wörterbücher etc.).
  • Die inhaltliche und/oder administrative Arbeit wird durch den Einsatz von XML
    signifikant erleichtert. Das betrifft sowohl die Vorteile durch die in
    XML mögliche automatische Strukturkontrolle als auch das Auswerten
    von Meta-Informationen für den Verlag, die automatische Register-
    und Querverweiserstellung und vieles mehr.

Der Verlag, der XML im Einsatz hat, wird seine Titel immer einer Prüfung unterziehen, in wieweit sie einem oder mehreren der o. g. Kriterien entsprechen. Abhängig davon wird die Entscheidung fallen, ob der Titel konventionell (also z. B. mit einem DTP-Programm) oder auf Grundlage eines medienneutral ausgezeichneten Datenbestandes produziert werden soll.

Im Laufe der Zeit wird somit das Verlagsprogramm oder ein entscheidender Teil davon in einer Form vorliegen, die es dem Verlag ermöglicht, als Informationsanbieter alle erforderlichen Publikationskanäle zu bedienen.

Je nachdem, ob es dem Verlag nur um die Produktion einzelner Titel in XML oder um die Umstellung der gesamten Produktion geht, wird der zu betreibende Aufwand sehr unterschiedlich sein.

Eine Umstellung der Datenhaltung auf XML ist ein aufwändiger und eigenständiger Prozess. Das gesamte Verlagsprogramm muss gesichtet werden, zukünftig geplante Produktionen müssen mit ihren Anforderungen – soweit diese bereits absehbar sind – in das XML-Konzept eingehen.

Ein XML-Konzept, das lediglich ein Werk oder eine Buchreihe umfassen soll, ist dagegen häufig relativ zügig zu entwickeln. Wann sich welches Vorgehen lohnt und wieweit auch ein Einzel-Projekt als Grundstock für eine verlagsweite Umstellung herangezogen werden kann, muss im Einzelnen ermittelt werden.