XML-Know How

XML im Verlagsalltag

Doch nicht nur in der Erarbeitungsphase der Daten macht die Datenhaltung in XML Sinn: Auch die weitere Bearbeitung wird enorm erleichtert. Diese hängt natürlich stark von der Art des Inhalts und der Aktualisierungshäufigkeit ab, wird aber immer einen gemeinsamen Nenner haben: die Qualitätssicherung auf Verlagsniveau.

Betrachten wir zunächst die Arbeit »nur« am Printwerk. Dann sprechen wir beim Aktualisierungsprozess von der Arbeit an einer Nach- oder Neuauflage. Solange der Verlag die Pflege der XML-Daten (z. B. über ein Content Management System oder auch mittels eines einfachen XML-Editors) nicht im eigenen Hause vornimmt, ändert sich an den Abläufen gegenüber der konventionellen Redaktionsarbeit und Druckvorstufe auf der Seite des Verlages nichts: Bei kleineren Änderungen werden Autor und/oder Redaktion weiterhin auf Fahnen arbeiten, umfangreichere Textänderungen werden neu erfasst. Die Korrekturen werden von der Setzerei im XML-Satzsystem ausgeführt. Das führt dazu, dass Sie unmittelbar nach dem Imprimatur die XML-Daten für Spin-offs wie CD-ROM-Ausgaben oder einen Internetauftritt korrigiert und strukturiert vorliegen haben.

Eine andere Situation ist die umfassende Überarbeitung durch den oder die Autoren am Rechner. Idealerweise sollte natürlich auch diese Arbeit direkt in XML erfolgen. Problematisch kann es hier sein, die Autoren davon zu überzeugen, Neubearbeitungen im medienneutralen Format auszuführen. In der Praxis bedeutet das für die Bearbeiter einen Wechsel von Textverarbeitungsprogrammen wie z. B. Microsoft Word zu XML-Editoren wie z. B. Corel XMetaL. Gelingt dieser Wechsel nicht – aus welchen Gründen auch immer – muss eine Konvertierung von XML in das vom Autoren gewünschte Format und zurück erfolgen. Das ist jedoch ein fehlerträchtiger Vorgang, der meist Nacharbeit in der Redaktion bedeutet.

Eine andere Variante ist die Bearbeitung mehrerer Quellen, die erst im Endprodukt zusammengefügt werden. Ein Beispiel ist die Zusammenführung von getrennt erarbeiteten Texten und zugehörigen wissenschaftlichen Kommentaren. Diese Konstellation kann im geisteswissenschaftlichen Bereich ebenso auftreten wie bei juristischen Texten.

Sollen Text- und Kommentarteile getrennt erstellt werden und für die Ausgabe in allen Medien fehlerfrei vorliegen, wird man beide Teile zunächst getrennt einer Korrekturphase in den medienneutralen Daten unterziehen. Sind die Texte im XML-Format abschließend bearbeitet, können sie automatisch zusammengeführt werden.

Gerade bei längeren und komplexen Texten ist die Korrektur auf Papierausdrucken wegen der größeren Übersichtlichkeit und der weitaus höheren Fehlererkennungsrate der Korrektur am Bildschirm nach wie vor deutlich überlegen. Eine sehr effiziente Methode ist es daher, die XML-Daten mittels eines automatischen PDF-Generators in einer dem endgültigen Satz nahen Form auszudrucken und auf den Ausdrucken zu korrigieren. Diese Korrekturen werden dann in die XML-Daten eingearbeitet. Bei manchen Projekten wird dieser Arbeitsgang von den Autoren, bei anderen von der Redaktion oder von einem (Satz-)Dienstleiter ausgeführt. Die eigentlichen Satzarbeiten werden sich dann auf die Herstellung des endgültigen Umbruchs in der gewünschten Typographie beschränken (siehe auch den Projektbericht Die kritische Heinrich-Böll-Ausgabe – eine Erfolgsstory in XML).

Neben die Erstellung gedruckter Ausgaben mit ihren relativ langfristigen Aktualisierungszyklen tritt zunehmend die kontinuierliche Bearbeitung der Daten für Nonprint-Ausgaben, in der Regel für Online-Angebote. Diese müssen teilweise täglich oder fast in Echtzeit (Nachrichtenportale) aktualisiert werden. Hier findet die Pflege fast immer in einem XML-Content Management System bzw. Redaktionssystem statt. Diese Datenbestände stehen natürlich auch weiterhin für die Printproduktion zur Verfügung: Die kontinuierlich gepflegten Daten werden zu einem definierten Zeitpunkt aus dem System ausgekoppelt und in die Printform gebracht.

Doch auch bei einem solchen Arbeitsablauf ist die klassische Korrekturphase auf Papierausdrucken nötig, um die für das Printwerk notwendige Text- und Umbruchqualität zu erreichen. Falls noch orthografische und/oder inhaltliche Korrekturen vorgenommen werden müssen, bedeutet das, dass nach dem Satz der korrigierte Datenbestand neu in das Content Management System importiert wird.

Die Alternative, Daten im Satz- und im Online-System parallel zu pflegen, ist ebenso fehleranfällig wie aufwändig. Will man diese doppelte Datenpflege vermeiden, muss der gesamte Korrektur- und Satzvorgang im medienneutralen Format erfolgen.