XML-Know How

Das Konzept der »InDesign-DTD«

Eine große Verlags-DTD eins zu eins in InDesign weiterzuverwenden, würde die Bearbeitung unnötig erschweren. Das beginnt schon damit, dass in der Tags-Palette von InDesign alle Elemente der DTD auftauchen – auch solche, die für die Formatierung des Textes vollkommen irrelevant sind, wie z. B. Metadaten. Eine angepasste DTD bietet sich also an. Die InDesign-DTD verfolgt das Ziel, eine Datenstruktur bereitzustellen, mit der innerhalb von InDesign komfortabel gearbeitet werden kann. Das heißt jedoch nicht, dass es sich um eine »Universal-InDesign-DTD« handelt, die nun für alle Verlage gleichermaßen zum Einsatz kommen soll. Vielmehr werden der Aufbau und die Elementnamen der Verlags-DTD beibehalten und die DTD lediglich um die Strukturen verflacht, die in InDesign Mühe bereiten. Wie oben ausgeführt, müssen Strukturänderungen und Korrekturen von Attributwerten innerhalb von InDesign mühsam in der Strukturansicht ausgeführt werden. Diese Arbeitsschritte sollen minimiert werden.

Thumbnail: Roundtripping mit der InDesign-Erweiterung
Thumbnail: Roundtripping mit der InDesign-Erweiterung
  1. Es liegen medienneutrale Daten vor
  2. Diese Daten werden mit dem XSLT-Skript zu InDesign-XML konvertiert
  3. Die entstandene InDesign-XML-Datei wird über ein Plugin importiert und mit dem Template zusammengeführt
  4. InDesign-Bearbeitung (Satzläufe, Autorenkorrekturen) unter Erhaltung der XML-Strukturen.
  5. Nach der Bearbeitung kann das XML bereinigt und exportiert werden
  6. Die entstandene Export-Datei kann wieder zu einer validen und medienneutralen Ursprungsinstanz konvertiert werden.

 

Aus diesem Anspruch resultieren im Wesentlichen die folgenden Punkte:

  • Verflachen der Struktur
  • So wenig Container-Elemente wie möglich
  • Attribute verringern bzw. über Elemente abbilden
  • Elementnamen entsprechen den Namen der Formatvorlagen

Bei konsequenter Umsetzung dieser Forderungen bleibt es nicht aus, dass Strukturinformationen verloren gehen. Auch im konkreten Projekt wurden einige sehr selten auftretende Konstrukte zugunsten der gesteigerten Produktivität bzw. praktikablen Handhabung in InDesign aufgegeben. Das darf natürlich nicht heißen, dass hier im Workflow effektiv ein Strukturverlust eintritt: Vielmehr wurde entschieden, Daten hoher Komplexität nicht über den InDesign-Workflow abzubilden, sondern mit Werksatz-Programmen zu verarbeiten, wo diese Probleme nicht existieren. Ein vorgelagertes Prüfskript kann absichern, ob mit einem Informationsverlust zu rechnen wäre. Die Stellen werden vollständig protokolliert und dem Anwender sichtbar gemacht. Hier wird im Einzelfall entschieden, ob die gewünschte Struktur bereits in den Quelldaten anders dargestellt werden kann, ob nach dem Satz nochmals manuell nachgearbeitet werden muss oder ob der Titel gar nicht »InDesign-tauglich« ist.

Diese pragmatische Entscheidung für ein Eskalationsszenario ist von großem Vorteil, vor allem für XML-ungeübte Setzer: Sie werden nicht gleich mit der vollen Komplexität einer »großen« DTD erschlagen – dies senkt die Fehlerquote bei der Datenbearbeitung beträchtlich.