XML-Know How

Layout trifft auf Daten

Vollkommen unabhängig vom gewählten Programm oder Workflow muss vorweggeschickt werden, dass für den sinnvollen Umgang mit XML-Daten die dahinterliegenden Konzepte, insbesondere die strukturierte Darstellung von Inhalten, bekannt und verinnerlicht sein müssen. Die Idee, sich XML-Kompetenz »über die Hintertreppe« mit dem DTP-Programm aufzubauen, ist illusorisch. Wer sich nie der Kapitelstruktur eines Werkes bewusst geworden ist, wird schwerlich in der Lage sein, saubere XML-Daten innerhalb eines DTP-Programms zu erstellen.

Glücklicherweise ist der Weg zum Verständnis von XML für die meisten Mediengestalter einfach: Ein professioneller Anwender wird auch schon ohne XML versuchen, durch Dokumentvorlagen und systematischen Einsatz von Stilvorlagen den Satzprozess zu optimieren. Über das Layout wurde schon immer die Struktur des Werkes sichtbar gemacht – so zum Beispiel durch die Formatierung von Überschriften und Hervorhebungen. Wer professionellen Satz erstellen möchte, muss sich also mit der Struktur des betreffenden Werkes beschäftigen. Von dieser Erkenntnis ist es zu XML nur noch ein kleiner Schritt.

Andererseits sind viele Arbeitstechniken im konventionellen Satz nur im Hinblick auf eine reine Druckproduktion akzeptabel. Eine Worttrennung, die durch eine weiche Zeilenschaltung in Kombination mit einem Trennstrich erzeugt wurde, ist im gedruckten Werk nicht von einer korrekt erzeugten Trennung zu unterscheiden. Die Daten sind allerdings aufgrund dieser Vorgehensweise fehlerhaft. Dieses sehr plakative Beispiel ist jedem verständlich, da es einen direkten Eingriff in die Daten beschreibt – weitaus abstrakter ist hingegen die Problematik der Verknüpfung von Datenstruktur und Layout: Ein »strukturell korrektes« von einem »fehlerhaften« Dokument zu unterscheiden – etwa wie Kapitel und Unterkapitel in den XML-Daten zueinander stehen – ist im Layout nicht möglich und kann nur über die Strukturansicht beurteilt werden.

Die wichtigste Erkenntnis hierbei ist: Nicht alle XML-Strukturen eines Dokuments werden in Layoutkonstrukte umgesetzt – aber auch die, die nicht typographisch relevant sind, müssen mit derselben Sorgfalt gepflegt werden. So ist es naheliegend, dass ein Element namens <fett> in eine Fettstellung der Schrift im Layout umgesetzt wird. Hingegen wird das Element <kapitel> möglicherweise typographisch nicht aufgelöst, ist aber wesentlich sinntragend und steuert etwa die Einteilung der Dateien in der E-Book-Produktion. Auch sämtliche Metadaten (Zusatzinformationen wie Ansprechpartner oder Dienstleister) fallen generell in diese Kategorie.