XML-Know How

Roundtripping mit InDesign

Wie aus dem bisher Genannten deutlich wird, ist InDesign in der Standardprogrammversion zunächst nur für das XML-gestützte Erstellen von Layouts geeignet, also für den Import und das automatische Formatieren von XML-Daten. Bei der Weiterverwendung der Daten beim Layoutprozess und nach dem Satz hat InDesign konzeptionelle Schwächen. Die oben beschriebenen technischen Beschränkungen müssen bei einem gewünschten – bzw. in Verlagsworkflows erforderlichen – Roundtripping gelöst werden. Dies bedeutet einerseits eine konsequente Doppelpflege während des Satzes und eine (automatisierbare) Bereinigung der Daten nach dem Export.

Kann man dies InDesign wirklich als Schwäche auslegen? Aus Sicht unserer Branche ja. Doch wir müssen bedenken, dass die Entwickler wohl einen anderen Markt im Blick hatten als den workflowmäßig anspruchsvollen Verlagsmarkt. In der Regel kommen XML-Daten (und zwar flach strukturierte XML-Daten) aus Datenbanken und sollen von InDesign automatisiert umbrochen werden. Katalogproduktionen etwa lassen sich damit effizienter gestalten. Schon in anderen Beiträgen unseres Kompendiums haben wir auf die besondere Situation der Verlage hingewiesen, nämlich dass die Daten in der Regel erst während der Satzarbeiten fehlerfrei werden, es also einen oder mehrere Korrekturläufe gibt. Kaum ein Industriekunde käme auf den Gedanken, die Layoutinformationen eines Katalogs wieder in die Produktdatenbank zurückzuspielen, nur weil während des Umbruchs noch einige Fehler aufgetaucht sind: Die Fehler werden selbstverständlich in der Datenbank behoben. Auch das ist übrigens Doppelpflege! Die Verlage haben einen völlig anderen Anspruch und andere Workflows: Bücher müssen typographisch hochwertig umgesetzt werden (manuelle Eingriffe sind also unvermeidbar), gleichzeitig müssen beliebig weit reichende Autorkorrekturen zugelassen werden. Dennoch muss am Ende wieder sauberes XML exportiert werden. Was für Werksatzsysteme normal ist, erschwert die Bearbeitung in InDesign.

Nochmals: Jede Korrektur, die sich auch auf die XML-Daten bezieht, muss in der Standardversion von InDesign doppelt ausgeführt werden und führt so zu höheren Autorkorrekturzeiten. Dazu muss der Bearbeiter die XML-Struktur kennen und anwenden, sonst kann es im schlimmsten Fall zu fehlerhaften oder nicht vollständigen Daten führen.