XML-Know How

Einsatzmöglichkeiten von XML beim Layoutsatz

Auf den ersten Blick scheinen Layoutsatz und XML zwei widersprüchliche Welten zu sein: Der Schwerpunkt beim Layoutsatz im eigentlichen Sinne liegt eben auf dem »Layouten«, also dem individuellen Gestalten – oft Doppelseite für Doppelseite. Typische Verlagsprodukte sind Bildbände, Schulbücher, Kochbücher oder auch Zeitschriften. XML hingegen gehört als medienneutrales Format vor allem für Textinhalte eher in die Welt des regelbasierten Werksatzes von technischen Dokumentationen, Nachschlage- und Loseblattwerken, textlastigen Fachzeitschriften u. ä.

Zur Abgrenzung vom regelbasierten Werksatz sei hier eine Definition vorangestellt: Mit »Layoutsatz« sind hier Umbrucharbeiten beschrieben, bei denen eine vollständige Beschreibung der Seitengestaltung durch Regeln wegen individueller Komponenten nicht möglich oder wirtschaftlich nicht sinnvoll ist oder aus anderen Gründen der Einsatz eines Werksatzprogramms nicht in Frage kommt. Die Individualität der Seitengestaltung bezieht sich dabei auf die individuelle Positionierung von Gestaltungselementen nach inhaltlichen sowie ästhetischen Gesichtspunkten und geht über die manuelle Umbruch-
optimierung beim Werksatz deutlich hinaus.

Der Einsatz von XML bei Layoutsatz kann auf ganz unterschiedliche Weise und mit unterschiedlicher Zielsetzung erfolgen. Die Möglichkeiten der Automatisierung etwa hängen, wie noch zu zeigen sein wird, maßgeblich von dem gewählten Layout ab. Daneben entscheiden Umfang des Werkes und geplante Weiterverwertungsformen der Daten über den optimalen Workflow.

Auch im »klassischen Layoutsatz« kann XML eingesetzt, das heißt als Quelldatenformat importiert werden. Bei geplanter völlig freier Seitengestaltung dienen XML-Daten dann allerdings lediglich als Importformat; einen großen Kosten- oder Effizienzvorteil in der laufenden Produktion erzielt man durch den Einsatz von XML hingegen nicht. Dennoch macht auch dieser Weg Sinn: Mit geringem Aufwand können die XML-Daten nach Abschluss der Arbeiten wieder ins XML-Format exportiert werden und – inklusive der während der Umbrucharbeiten vorgenommenen Korrekturen – für die Weiterverwertung zur Verfügung stehen. Die Ansprüche, die man hierbei an die Daten hinsichtlich ihrer Strukturierungstiefe stellen darf, sind allerdings gering. Ein Beispiel für den sinnvollen Einsatz wären Bildbände oder Kochbücher, bei denen die Texte auch in anderen Publikationen verwendet werden sollen oder bei denen die Texte in mehreren Sprachen vorliegen. Hier wird ein Workflow benötigt, bei dem XML-Daten mit einem Layoutprogramm geladen, verändert und als XML gespeichert werden können, ohne dass dadurch die grafische Gestaltung und Positionierung dieser Texte sowie ihre freie Verbindung mit Grafiken aller Art beeinträchtigt wird. Eine Automatisierung der Gestaltung ist hier weder gefragt noch möglich, der Vorteil eines XML-Workflows liegt im schieren Vorhandensein von weiterverarbeitbaren Daten.

Dem entgegen stehen Produkte mit stark regelbasierter Gestaltung, die nur gelegentlich durch individuelle Elemente durchbrochen wird. Die Nähe zum Werksatz ist hier groß, Automatisierung ist in größerem Umfang, wenn auch in der Regel nicht vollständig möglich. Beispiele für diese Gattung sind Kataloge und illustrierte Referenzwerke aller Art. Für diesen Bereich gibt es am Markt bereits erste fertige Plug-Ins für die großen Layoutsysteme, die etwa Anbindungen an Datenbanken und eine automatisierte Umsetzung eines
Exports derselben erlauben.

Bei den meisten Publikationen, die heute mit DTP-Werkzeugen erstellt werden, ist eine Mischung aus regelbasierter Gestaltung und freiem Layout anzutreffen. Die Textinhalte folgen in Struktur und Gestaltung weitestgehend einer bestimmten Form (z. B. Lexikoneintrag, Artikel, Rezept), wobei es
Varianten (z. B. Kästen für Sonderthemen, Übersichten, Kalendarien u. ä.) und Auflockerungen durch frei positionierte Grafiken innerhalb und außerhalb von Texteinheiten geben kann. Nicht selten rühren die Abweichungen von der Regelform auch von einem pragmatischen Ansatz der Fehlervermeidung (Skalierung einer Abbildung zur Vermeidung von Hurenkindern) oder schlicht von unsystematischer Arbeit her.

Allgemein gilt: Je regelbasierter Struktur und Gestaltung sind, umso weitergehend kann beim Einsatz von XML-Daten der Umbruch automatisiert werden. Das gilt für Layoutprogramme ebenso wie für den klassischen Werksatz. Im Unterschied zum vollautomatisierten Satz (wie etwa über XSL-FO, vgl. dazu das Kapitel III.A.1) ist für die hier beschriebenen Verlagsprodukte wichtig, dass die Automatisierung eine weitergehende, nachgelagerte individuelle Gestaltung nicht ausschließen darf.

Beispielsweise kann eine automatisierte Grundformatierung komplexer Text-
elemente, etwa ganzer Artikel, der weiteren individuellen Ausgestaltung durch die Verwendung grafischer Elemente vorausgehen.