XML-Know How

Prozessintegration beim Satz mit XML: Die »Strukturoffensive« von pagina nach dem ersten Jahr

»Prozessintegration« lautet das Zauberwort, das seit einiger Zeit die Diskussion im XML-Publishing prägt. Die Diskussion kommt zum richtigen Zeitpunkt: Nachdem die Vorteile von XML weitläufig bekannt sind und es sich immer mehr Verlage zum Ziel machen, ihre Daten in diesem Format vorzuhalten, geht man nun einen Schritt weiter. XML kann nämlich wesentlich mehr, als Daten medienneutral verfügbar zu halten. Zukünftig muss es darum gehen, die gewünschten Ausgabeformen der Daten über kompakte, rechnergesteuerte Workflows automatisiert zu erzeugen. Was für die einzelnen Abläufe für jede einzelne Publikationsform gilt, kann eine Ebene höher auch für die Summe aller Publikationen gelten: verbindet man die einzelnen Teilworkflows zu einem digitalen Gesamtprozess, so erhält man die eigentliche Publikationsplattform, bei der alle Prozesse wie Puzzlestücke ineinander greifen. Neben der Standardisierung von Abläufen, der Qualitätssicherung bzw. Qualitätssteigerung steht hierbei die Geschwindigkeit der Produktion und deren Kostenoptimierung im Mittelpunkt. Dies gilt sowohl auf Verlags- wie auf Dienstleisterseite.

Auf der Buchmesse 2005 hat pagina einen neuartigen Satzworkflow vorgestellt und mit ehrgeizigen Zielen geworben: Bis zu 30 % Zeitersparnis am Arbeitsplatz des Lektors und Herstellers soll durch neuartige Satzdienstleistungen entstehen, nebenbei automatisch XML-Daten geliefert werden – und das ganze noch zu Konditionen, die die Branche bislang nur vom Layoutsatz her kennt. Nach einem Jahr Erfahrung mit der neuen Dienstleistung wollen wir eine Zwischenbilanz ziehen, die Technologie erläutern und die nächsten Ausbaustufen ankündigen.

Mit diesem Artikel lassen wir Sie auf vielfachen Wunsch ein wenig hinter die Kulissen der Arbeitsprozesse bei pagina schauen.

Die Konzeptionsphase begann vor etwa zwei Jahren. Bei pagina setzten sich einige Entwickler zusammen, um einen neuen Satzworkflow zu konzipieren. Dieser sollte es ermöglichen, den Verlagen mit Abschluss der Satzarbeiten ohne Mehrkosten valides XML abliefern zu können. Ein weiteres Ziel war, die sehr komplexen Steuerungsabläufe des Werksatzsystems TUSTEP (vom Einarbeitungsaufwand vergleichbar mit 3B2 oder XSL-FO) in eine Oberfläche zu integrieren, die eine einfache Bedienung erlaubt – zumindest für Standardanwendungen. Damit sollte TUSTEP, das hochentwickelte Satzsystem für wissenschaftlichen Werksatz, auch für normalen Romansatz konkurrenzfähig werden. Gleichzeitig sollten die Vorteile von TUSTEP – die extreme Transparenz der Abläufe, die Tools zur Analyse von Daten und die Integration von Satz- und Skriptingabläufen – dabei nicht auf der Strecke bleiben.