XML-Know How

Prüfungen jenseits von DTD und Schema

Diesem Problem kann vergleichsweise leicht begegnet werden, wenn der Verlag Vorgaben zu den Arbeitsabläufen macht. Konkret heißt das: Der Punkt innerhalb der Prozesskette, an dem die Konvertierung nach XML geschieht, sollte vom Verlag als verbindlicher Bestandteil des Satzauftrags vorgegeben werden. Kommen wir diesbezüglich nochmals auf die Prozesskette als Ganzes zurück. Als Faustregel kann gelten: Je früher in der Wertschöpfungskette das XML entsteht, umso mehr inhaltliche Kompetenz kann in die Datenstrukturierung einfließen. Für ein ausdifferenziertes semantisches Markup wird das Fachwissen des Autors und/oder Lektors immer unabdingbar sein. Im Umkehrschluss gilt: Je später das XML entsteht – je weniger Fachwissen um die Inhalte vorhanden ist –, umso technischer wird in der Regel die Betrachtungsweise desjenigen sein, der die Daten konvertiert.

Ein Satzbetrieb kann also in der Regel nicht leisten – oder „reparieren“ – was im Vorfeld versäumt worden ist, nämlich die inhaltliche Strukturierung der Daten vorzunehmen. Selbst die Hierarchien eines Textes sind, wenn im Manuskript nicht eindeutig vermerkt, nicht immer zweifelsfrei zu erkennen.

Die Qualität der XML-Daten, die vom Satzbetrieb kommen, kann also nur durch Kontrolle sichergestellt werden.

Die wichtigste und effizienteste Kontrolle hierbei ist unbedingt das Satzbild selbst. Sind Fehler beim Tagging (z. B. in der Überschriftshierarchie) entstanden, so treten diese ja meist durch eine falsche typographische Umsetzung wieder zu Tage.

Aus dieser banalen Erkenntnis leitet sich die erste Forderung zur Qualitätssicherung ab:

Wenn in der Prozesskette das XML erst beim Dienstleister entsteht, so ist unbedingt darauf zu achten, dass es vor Beginn der Satzarbeiten und nicht erst nach deren Abschluss entsteht.

Diese Aussage hat neben dem Aspekt der „Qualitätssicherung durch Autopsie“ noch einen weiteren, technischen wie psychologischen Aspekt: Daten erst nach Abschluss der Satzarbeiten nach XML zu konvertieren heißt für den Dienstleister, dass er selbst keinerlei Nutzen aus den XML-Daten (z.B. für eine Automatisierung der Arbeiten) ziehen kann. Die Konvertierung kostet also zusätzliche Zeit (und nicht jeder Verlag ist bereit, diese gesondert zu bezahlen), während evtl. andere Arbeiten liegen bleiben: die Motivation, hier die notwendige Sorgfalt anzuwenden, wird also geringer sein.

Ganz anders ist die Situation, wenn die Daten schon vor Beginn der Satzarbeiten nach XML konvertiert werden und der Satzbetrieb auch selbst vom Nutzen der Datenstrukturierung profitiert. Gleichzeitig werden bereits sämtliche Korrekturen in XML ausgeführt: Konstrukte, die nach der vom Verlag vorgegebenen DTD nicht abzubilden sind (aber vom Verlag als Korrektur angewiesen wurden), treten somit sehr viel früher als zu Tage und müssen nicht im Nachhinein mühsam behoben werden.

Neben den beschriebenen Nutzen für die Satzarbeiten und der damit einhergehenden höheren Qualität der Daten tritt noch ein weiterer Aspekt: Durch die Konvertierung nach XML werden satztechnische Schwierigkeiten im Manu-
skript objektiviert und quantifizierbar; die konvertierten Daten können also als unbestechliche und automatisch auswertbare Grundlage für die Festlegung einer Schwierigkeitsstufe und damit für die Preisfindung der Satzarbeiten herangezogen werden. Viele Diskussionen um Satzerschwerniszuschläge oder Werkkategorisierung sollten damit der Vergangenheit angehören.

Diese Transparenz ist auch ein Akt der Fairness und Wertschätzung gegenüber der Setzerei und das kann im Einzelfall zu einer Verschiebung im Preisgefüge führen. Dem sollte der Verlag ohne Sorge entgegensehen; vielmehr sollte er die erhöhte Transparenz als Chance begreifen.

Doch wie lassen sich all diese Überprüfungen effizient und ohne hohen Aufwand seitens des Verlages bewerkstelligen? Kommt durch die Notwendigkeit der Kontrolle der Datenqualität nicht doch ein deutlich erhöhter Aufwand auf die Verlage zu?