XML-Know How

Automatisierung mit XSL-FO

Vergleicht man automatisierten mit manuell umbrochenen Satz, liegen die Vorteile klar auf der Hand: Durch die Verwendung von automatisierten Satz- und Umbruchsystemen lassen sich größere Datenmengen schneller und im Endeffekt kostengünstiger bearbeiten. Das Layout kann nach einheitlichen Vorgaben generiert werden; Dokumente lassen sich für die Ausgabe – durch die Möglichkeiten, die XSLT bietet – spontan und flexibel jederzeit neu zusammenstellen. Dies um so mehr, je häufiger man es mit zu formatierenden Dokumenten immer der gleichen Struktur zu tun hat (dies gilt übrigens für den »klassischen« Werksatz ebenso wie für die Vollautomatisierung mit XSL-FO).

Bei der Vollautomatisierung wird die Grenze des wirtschaftlich Sinnvollen schnell deutlich: Für kleine Datenmengen und nicht wiederkehrende Arbeiten lohnt sich der Einsatz kaum; dies wird schon aus dem oben skizzierten Verarbeitungsprozess deutlich, der auf dem Definieren von Regeln für sämtliche(!) vorkommende Elemente beruht, unabhängig von deren Häufigkeit.

Neben dem betriebswirtschaftlichen Aspekt liefert vor allem die Frage nach der erreichbaren typografischen Qualität immer wieder Anlass zu Diskussionen. Die Einschätzung, dass eine hohe Qualität nur unter Zuhilfenahme interaktiver Mittel erzielt werden könne, ist weit verbreitet. Automatischer Satz ohne Handeingriffe liefere generell nur minderwertige Ergebnisse; daher sei er nur dann angebracht, wenn eine qualitativ bessere Gestaltung nicht nötig bzw. ein besseres Ergebnis, das durch interaktive Satzgestaltung erreicht werden könnte, wegen des höheren Zeit- und Kostenaufwands nicht zu realisieren ist. Diese Einschätzung ist durchaus nicht unbegründet und untermauert die Stärke der großen Werksatzsysteme, die auch weitestgehend regelbasiert arbeiten können, nachträgliche Handeingriffe aber zulassen.

Im Falle von XSL-FO wollen wir diesen Vorwurf differenziert betrachten. Zunächst hängt die Sinnhaftigkeit des Einsatzes von FO maßgeblich vom geplanten Layout ab – nicht jedes Layout lässt sich regelbasiert umsetzen, und nicht jede regelbasierte Umsetzung lässt sich mittels FO automatisieren. Daneben sind Umfang und Aktualisierungsbedarf des Produktes entscheidende Faktoren.

Das vollautomatische Arbeiten mit XSL-FO ist immer dann im Vorteil, wenn häufige Aktualisierungen vorgenommen werden, wie beispielsweise bei Online-PDF-Previews von Katalogen und anderen Datenbank-generierten Inhalten. Die Geschwindigkeit des FO-Prozesses macht es möglich, dass selbst der Endnutzer im Internet sich individuelle PDFs »on the fly« generieren lässt, ohne dass er dies zeitlich merkt. Gegenüber den Layoutsystemen (Adobe InDesign, QuarkXPress) gewinnt FO – in gemeinsamer Reihe mit den Werksatzsystemen – immer dann, wenn der Umfang sehr groß ist: Dadurch, dass keinerlei variable (umfangsabhängige) Kosten anfallen, sondern ausschließlich die Fixkosten (nämlich die Programmierung), werden mit steigendem Umfang die Satzkosten pro Seite immer geringer.

Im Bereich der klassischen Verlagserzeugnisse – Buch- und Zeitschriftenproduktion – lässt sich XSL-FO ebenfalls sinnvoll einsetzen. Hier wird der Grad der zu erwartenden Handeingriffe über die Sinnhaftigkeit des Einsatzes entscheiden. Denn natürlich kann auch in einen FO-Workflow von Hand eingegriffen werden, um einen Feinumbruch zu erzielen: Dabei müssen die Seiten nach einem ersten Satzlauf kontrolliert werden und durch feste Umbrüche und Abbildungsplatzierung im Ausgangsdokument ergänzt werden. Dieses Vorgehen ist notwendig, um beispielsweise zu verhindern, dass sich größere Lücken aufgrund von Grafiken bilden, die man durch die Verkleinerung dieser oder durch deren Versetzung schließen könnte. Die über einen solchen Workflow erzeugten Satzprodukte halten mikrotypografisch jedem Vergleich stand. Auch die Eigenschaft des Antenna House Formatters, die Silbentrennregeln für fast alle gesprochenen Staatssprachen zu beherrschen und notfalls einzelwortweise die Trennregeln zu ändern, sei hier erwähnt.