XML-Know How

Der PDF-Generator

Ungeachtet der vielen technischen Vorteile hat die Arbeit in einem XML-Editor in einer Hinsicht die gleiche Schwäche wie jedes Textverarbeitungsprogramm: Der Bearbeiter sieht das Ergebnis seiner Arbeit zu keinem Zeitpunkt in der endgültigen, übersichtlichen Darbietung.

Was für Monographien etc. nur eine geringe Einschränkung für die Arbeit darstellt, ist bei textkritischen Werken außerordentlich hinderlich: Weder die Register noch die Zeilenbezüge der Apparate noch die Verknüpfung von Texten und Kommentaren können am Bildschirm übersichtlich dargestellt und effektiv überprüft werden.

Gerade bei stark kommentierten Passagen textkritischer Werke wird der Lesefluss am Bildschirm durch die vielen Kodierungen und Textunterbrechungen stark behindert. All dies führt üblicherweise dazu, dass kritische Werkausgaben mehr Korrekturgänge im Satz durchlaufen als andere wissenschaftliche Werke, weil viele Fehler überhaupt erst im Satz erkannt werden können. Auch diese Schwäche konventioneller Arbeitsweise galt es zu beheben.

Zu diesem Zweck entwickelte die pagina GmbH, die neben dem Satz der Ausgabe auch für die Konzeption der DTD der Böll-Ausgabe verantwortlich ist, einen vollautomatischen PDF-Generator, der in die Oberfläche von XMetaL integriert wurde. Auf Knopfdruck kann der Bandbearbeiter so seine Arbeit auf seinem eigenen Rechner setzen lassen – in der endgültigen Typographie, mit der Auflösung sämtlicher Zeilenbezüge, Querverweise und Register.

Da die Anordnung der Daten im Satz eine andere sein soll als während der Eingabe, müssen hierfür die Daten zunächst vollständig transformiert werden. Für diese Transformationen und für den Satz der Ausgabe kommt das Tübinger Programmpaket TUSTEP zum Einsatz, das die Ansprüche der Geisteswissenschaft an eine Transformations- und Satzsoftware gleichermaßen umfassend erfüllt: Automatische Registererzeugung, bis zu neun automatisch verwaltete zeilenbezogene kritische Apparate, Parallel- und Fremdsprachensatz und vieles mehr sind die eine Seite der technischen Voraussetzungen, XML-Unterstützung, Automatisierbarkeit und vor allem eine konkurrenzlos leistungsfähige Skriptsprache für die Textdaten-Transformation die andere.

Als Ergebnis des vollautomatischen Satzes erhält der Bearbeiter eine fertig umbrochene PDF-Datei. Da er nicht in die Abläufe des Satzautomatismus eingreifen kann, wird die Gefahr, dass die Daten aus Gestaltungsgründen »verschlimmbessert« werden (Diviszeichen zur erzwungenen Silbentrennung, feste Leerzeilen etc.) auf ein Minimum reduziert.

Die Wissenschaftler können sich voll auf ihre inhaltliche Arbeit konzentrieren und sehen dennoch bei Bedarf deren Ergebnis unmittelbar in »Satzform« am Bildschirm oder ausgedruckt auf Papier. Die extrem hohe Verarbeitungsgeschwindigkeit von TUSTEP ermöglicht eine PDF-Umsetzung ohne Zeitverlust. Bis hin zur Mikrotypographie (Kerning, Randausgleich usw.) wurden die Satzparameter für den endgültigen Satz auch in den PDF-Generator eingebaut, so dass der Umbruch bis hin zur Silbentrennung auf den Rechnern der Bearbeiter realisiert werden kann. Lediglich bei der Darstellungsschrift wurde aus Lizenzgründen auf eine frei verfügbare Schrift ausgewichen.

Gleichzeitig bietet das PDF zusätzliche Möglichkeiten zur Kontrolle: so werden etwa die kommentierten Stellen im PDF rot dargestellt, um die Information, dass es sich um eine kommentierte Passage handelt, ohne Auswirkungen auf dem Umbruch sichtbar zu machen. Zahlreiche solcher Zusatzinformationen erleichtern die Bearbeitung erheblich.

<p class="bildlegende">Automatisch erzeugtes PDF eines Böll-Stellenkommentars</p>